Von Lochstreifen zum High-Performance-Cluster

Dr. Jürg Trösch, Dr. Uli Kuhlmann, 27. Juli 2020

25 Jahre TK CONSULT AG
Ein Rückblick der beiden Gründer

Die Zeit vergeht wie im Flug. Das denken wir, wenn wir auf die vergangenen 25 Jahre seit der Gründung der TK CONSULT AG am 27. Juli 1995 zurückblicken. Nach jahrzehntelanger Forschungs- und Beratungsarbeit an der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH Zürich unternahm man den Schritt in die Selbstständigkeit, was aus dem sicheren Schoss als Angestellter der ETHZ ein gewisses Wagnis darstellte. Als «Urvater der Schweizer Grundwassermodellierung» (Trösch 1974) – das Programmierhandwerk noch anhand von Lochkarten erworben – und mit der eben erlernten «Methodik der Inversen Modellierung», salopp: automatische Kalibrierung, (Kuhlmann 1992) trat man hochmotiviert an, die numerische Modellierpraxis in der Schweiz neu zu erfinden.

Was zunächst als strategische Geschäftseinheit bei den Geophysikern von Proseis AG angedacht war, wurde bald verworfen. Schliesslich fand man dennoch als Untermieter in deren Oerlikoner Büros eine erste Bleibe.

Hochgesteckte Ziele bedingen wissenschaftliches Know-how, aber auch ausreichend Rechenpower. So verschwanden gleich zu Beginn zwei Drittel der finanziellen Einlagen für die ersten Silicon-Graphics-Workstations – damals das Non-Plus-Ultra auf ihrem Bereich. Weitere Investitionen z.B. in zusätzliche HD-Datenspeicherung, schlugen mit ca. CHF 0.50 pro MB (wohlgemerkt MB!) ebenfalls mächtig ins Kontor. Dermassen ausgerüstet hinterliess man doch einen gewissen Eindruck bei der potentiellen Kundschaft und durfte bald wichtige Schweizer Grundwasserprojekte bearbeiten, wie z.B. die Modelle «Alpenrhein» (GR, SG, Vorarlberg, Liechtenstein) «Dünnerngäu» (SO), «Thurauen» (ZH,TG) oder die ersten Standortmodellierungen der Nagra (Wellenberg, Zürcher Weinland).

Doch nicht nur im Bereich Grundwasser fanden die Modelle Anklang. Zwar war gewisse Überzeugungsarbeit notwendig, um etwa dem kundenseitigen Einwand zu entkräftigen, «Überflutungskarten könne man von Kindern entlang der Geländehöhen ausmalen lassen». Das Hochwasser an Pfingsten 1999 tat dann «sein Übriges». So durfte man im Thurauen-Projekt erstmals ein grossflächiges 2D-Abflussmodell ausarbeiten – heutzutage quasi Standard in jedem Flussbauprojekt. Ein Höhepunkt in dieser Hinsicht war die ENSI-Flutwellenstudie mit der Simulation sämtlicher sicherheitsrelevanter Dammbrüche im Einzugsgebiet der Aare.

Ein zusätzliches Standbein stellte von Beginn an die Softwareentwicklung dar. Vor allem die Methodik der Inversen Modellierung überzeugte und durfte in kommerziellen Softwarepaketen, wie im Abflussmodell FLUX/FLORIS oder im Grundwasserprogramm SPRING, implementiert werden. Gerade in letzterem Projekt erwuchs aus der Zusammenarbeit mit Kollegen von delta-h, den Entwicklern von SPRING, eine langfristige Partnerschaft – ja Freundschaft, was in den gemeinsamen «Exkursionen» nach Norddeutschland oder in der Schweiz zum Ausdruck kommt. Reisen, ob zum Elbsandstein, nach Lüneburg, Berlin, zum Morteratsch Gletscher oder zum Grimsel-Hospiz bleiben nachhaltig in Erinnerung.

Die ursprünglich geplante fachliche Zusammenarbeit mit Proseis hielt sich zunächst mangels Projekten in Grenzen. Gleichwohl war später die Mitarbeit an der internationalen Erdbebenstudie PEGASOS ein erstes Highlight. Weitere gemeinsame Büro-Umzüge zeugen jedoch von enger sozialer Bindung, die mit dem Einzug in das «mondäne» Cocoon-Gebäude im Zürcher Seefeld ihren Höhepunkt fand. Proseis' Tätigkeit vorwiegend im Erdölbusiness brachte schliesslich auch für die TK CONSULT AG wichtige Kompetenzerweiterung in Form interessanter Simulationen im Bereich der mehrphasigen Reservoirmodellierung (Öl, Gas, Wasser).

Rückblickend hat sich der Schritt in die Privatwirtschaft sicherlich gelohnt – Erfolg gibt Recht. Die TK CONSULT AG hat sich in den letzten 25 Jahren zu einem renommierten Ingenieurunternehmen im Bereich der numerischen Simulationen entwickelt. Neben der Expertise im Grundwasser, in Flüssen und Seen, sowie in der inversen Modellierung, kamen über die Zeit weiteres Know-how und weitere Fachbereiche dazu.

Im Rahmen der Nachfolgeregelung übernahm 2016 die HOLINGER AG das gesamte Aktienkapital der TK CONSULT AG und fungiert seither als eigenständige Tochtergesellschaft, während Synergien genutzt werden.

Während wir nun diese Zeile schreiben, wird im Untergeschoss der TK-Räumlichkeiten ein High-Performance-Cluster installiert, um noch detailliertere und noch feiner aufgelöste Modelle und Sensitivitätsanalysen in annehmbarer Zeit rechnen zu können.

Wir freuen uns und sind gespannt, wohin die weitere Reise geht.

Jürg Trösch und Uli Kuhlmann

Das TK-Team bedankt sich von Herzen, dass Jürg und Uli noch immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, für den Fundus an akkumuliertem Fachwissen aber auch für das geschaffene kreative und motivierende Arbeitsumfeld.